Das Bild Nummer eins: die ausschliessliche Mehrheit der Besucherinnen dieser Ausstellung im Berliner Ephraim Palais sind Frauen. (Liebe männliche Leser dieses Blogs: lassen Sie diesen Artikel nicht zum Text „Von Frau zur Frau“ verkommen und bleiben Sie bitte beim Lesen!)

 

Das Bild Nummer zwei: Das Korsett. Es nimmt eine zentrale Rolle als Exponat ein und dient auch als Symbol der Ausstellung, z.B. in den Denkzetteln der Kuratorinnen (?), worum es bei den insgesamt 20 Frauenbiographien geht: um das Recht zur Selbstbestimmung, zur Bildung, zur Berufswahlfreiheit usw.
Dabei werden einige der Protagonistinnen zwar ein Korsett getragen, aber sich dennoch von den Zwängen ihrer Zeit nicht einschnüren gelassen hatten. So zum Beispiel Hedwig Dohm, die Großmutter von Katia Mann, die zwar kein Korsett getragen und sehr gute Ausbildung genossen hat, aber ihrem „schwierigen“ und sehr erfolgreichen Mann emotional unterworfen bzw. in der Ehe für Erziehung der sechs Kinder allein verantwortlich war.

korset

Ist ein Korsett also doch nur ein Symbol? Wäre dann auch nicht das Kopftuch nur ein Symbol, das zwar hierzulande für die Frauenunterwerfung steht, aber in jedem einzelnen Fall doch was anderes bedeuten kann. Und wird es nicht wie jedes Symbol überbewertet bzw. gern stereotypisch ausgelegt? Wie zu kurze Kleider an den Körpern und zu hohe Pumps an den Füßen der russischen und chinesischen Frauen sie als Verhandlungspartnerinnen unterschätzen lässt und zur suboptimalen Ergebnissen führt, wenn nicht zum Abbruch der Business-Beziehung überhaupt.

Und was nützt der elegante graue Hosenanzug den deutschen oder amerikanischen Frauen, die immer noch weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen? Mit einer Ausnahme – lesbische Frauen scheinen laut Statistiken mehr zu verdienen als ihre heterosexuelle „Schwestern“: http://www.economist.com/news/finance-and-economics/21692938-lesbians-tend-earn-more-heterosexual-women-girl-power. Leider steht im Artikel nichts über die Gründe dieses Phänomens, doch die Frage stellt sich: vielleicht sind es nicht mal die Busen als Symbol der Schwäche des anderen Geschlechtes, sondern eventuell die innere Haltung der jeweiligen Dame, die bessere oder eben schlechtere Arbeitsverträge aushandelt?

Und diese Haltung lässt sich nicht an Symbolen ausmachen. Und auch nicht durch die Symbolpolitik verändern, die sich selbst als solche ab und zu verrät. Wie kann es denn sonst sein, dass das Podium von mehreren Diversity-Konferenzen nur von Männern besetzt sind, und das vom politischen Verein „Charta der Vielfalt“ (das Team allesamt Frauen) organisiert?

Fragen über Fragen und doch ein Fazit zum Schluss: lassen wir uns nicht von Symbolen, Ritualen und hübschen Glanzbroschüren verblenden, schauen wir auf das Wesentliche! Gern zur Ausstellung: http://www.stadtmuseum.de/ausstellungen/berlin-stadt-der-frauen gehen, aber sich nicht nur über die „furchtbare“ Vergangenheit und „Die da in den anderen Ländern“ aufregen, sondern lieber das Heute und Hier kritisch betrachten. Frauen wie Männer!

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Bye-bye Little Great Britain…

by Irina Slot on 26. Juni 2016

Little Britain Episode One by BBC „Little Britain“, BBC

 

Everybody in Europe is talking about Brexit, including us, but I hope to add something new to the discussion outside of the common responses such as “how awful!“, “what a pity!“, or just “foolish Brits!”

Some months (a few televised debates and one politically-motivated murder) ago, two participants in my “cultural-conflicts” workshop decided to research the issue of Brexit. One participant came from Great Britain, and the other came from Greece. Using the Cultural Onion Model of G. Hofstede Jr. and the System of Cultural Dimensions by G. Hofstede Sr. and E. Hall, the pair cross-analyzed cultural dimensions between Great Britain and other EU countries and reached two conclusions.

The first conclusion is quite trivial and predictable: there is no “united European culture” comparable to other distinct cultures of countries. The second conclusion came as a shock to them and others in the group—including myself as a lecturer. From an emotional, cultural (and not from rational) perspective, Great Britain must leave the EU. The cultural dimensions of Great Britain differ greatly from all other 27 countries and cultures within the EU in nearly every cultural dimension as of the latest measurement in 2010 (www.geerthofstede.nl).

This discovery made waiting for the results of the vote on June 23rd more sufferable: either the Brits vote to stay in the EU, or not. The first potential outcome of the final vote would make me happy as a European;  the second potential outcome would make me glad as an expert in intercultural interaction. And it did.

So, what now? Here, Hofstede’s System of Cultural Dimensions, which had proven successful in resolving many cultural conflicts, is even useful as an instrument of prediction? And with an eye on the current dialogue in Edinburg and London, a significant paradox is possible: the desire to make Great Britain “great again” could ultimately diminish it. And that could make the BBC comedy series, Little Britain, even funnier and also profound: http://www.bbc.co.uk/programmes/b006q2zd.

I recommend the show to everybody at any given time, but especially for the next two years of the painful divorcing process.

So long, very dear, (and somewhat little) Great Britain!

P.S. For German speaking audiences – there is a pretty good translation: http://www.einsfestival.de/programmplan.jsp?StartDatum=2016-06-23

Photo: http://www.bbc.co.uk/programmes/b0074d8v

 

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Internationale Kommunikation – Podcast von Petra Owen mit Irina Slot

Mai 15, 2016

In einer weiteren Folge von Petra-on-Tour geht es heute im Gespräch mit Irina Slot um die Funktion der nicht-persönlichen Kommunikation: Was ist da anders als im Gespräch face-to-face, wo ja das Thema Distanz eine große Rolle spielt (im englischen Sprachraum ist z.B. ein gewisser räumlicher Abstand zwischen den Teilnehmern unabdingbar)? Für uns in Deutschland ist […]

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Ingenieure, Soziologen und berufskulturelle Überlegungen

Mai 6, 2016

„Die Ingenieure des Jihad“ (Engeneers of Jihad) heißt das Buch des britischen Soziologen Diego Gambetta und des Politologen Steffen Hertog. Schon der Titel verschlägt einem den Atem, und die quantitativen Erkenntnisse darin – umso mehr. Wenn auch nicht alle Terroristen einen Hochschulabschluss haben (z.B. die Täter der Attentate auf Charlie Hebdo und den koscheren Supermarkt […]

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Internationale Verhandlungen

Februar 16, 2016

Ganz viel Akzent als Übung des interkulturellen Dialogs, einige Gedanken zum interkulturellen Management und viele Tipps für erfolgreiches Führen der internationalen Verhandlungen finden sich hier: GFM Folge 348 – Internationale Verhandlungen Viel Spaß beim Hören und viel Erfolg beim Umsetzen wünscht Irina Slot      

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Vielfältige Vielfalt

Januar 20, 2016

Im Andenken an Frau Professor  Gertraude Krell Der Begriff „Diversity“ erlebt schwierige Zeiten: Abneigung gegen Anglizismen, Ermüdung durch Wiederholungen, ja Argwohn aufgrund vieler schöner Broschüren und Webseiten zu diesem Thema. Dazu kommt, dass jeder Diversity-Beauftragte und Diversity-Forscher bestimmte Schwerpunkte setzt, die oft mit der eigenen Prägung verbunden sind – ganz nach dem Motto „Mein Diversity-Faktor ist […]

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OSZE Deutschland Dialog

Januar 13, 2016

  „Kultur des Dialogs – Dialog der Kultur“ – unter diesem Motto fand am 12. Januar die feierliche Zeremonie im Auswärtigen Amt in Berlin anlässlich der Übernahme des OSZE-Vorsitzes durch Deutschland statt. Der Untertitel „Verständigung und kultureller Austausch als Elemente von Sicherheit und Stabilität im OSZE-Raum“ und das Programm (musikalische Intermezzi und eine Podiumsdiskussion mit […]

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Studenten auf der Unitreppe und am Beginn ihrer Karriereleiter

September 12, 2015

Dies ist die Treppe vor dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität in Berlin. Ob das „Vorsicht Stufe“ nur ein Kunstobjekt ist oder „nur“ die Umsetzung einer Sicherheitsrichtlinie, die Wirkung darf auf die jungen Leute verheerend sein: bloß nicht zu stürmisch auf der Treppe, bloß nicht zu mutig auf der Karriereleiter, bloß nicht Stufen überspringen und nach der […]

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Interkulturelle Kompetenz in Wort und Bild

August 24, 2015

https://www.youtube.com/watch?v=_WdeAZFx2zs Schauen Sie es doch an, geben es weiter und bewerten Sie es unter: info@interkulturell.eu. Captain Slot und  die Crew sagen „Ahoi!“ für die zweite Hälfte des Jahres – mit Kulturdimensionen als  „Kompass“  im internationalen Verhandeln, interkulturellen Projekt- und Konfliktmanagement.     

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Apropos Mario Draghi: Super Mario’s Rede wird drei Jahre alt

Juli 7, 2015

Seltener Fall auf diesem Blog: ein Kalenderblatt. Doch wir nehmen den dreijährigen Geburtstag der historischen Rede von EZB Chef Mario Draghi – am 26. Juli 2012  in London – zum Anlass, über den kulturspezifischen Umgang mit Schulden und Schuldenkrise zu philosophieren. Obwohl die Experten sich einig sind, dass die damals von Draghi ausgesprochene „Whatever that […]

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